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Adenauerbrücke in Esslingen: Großteil ab Freitag, 7. August 2026, 13:00 Uhr für mehrere Jahre gesperrt!

Von Stephan Köthe

Esslingen am Neckar, 6. August 2026. Die Stadt Esslingen sperrt ab morgen, Freitag, 7. August 2026, gegen 13:00 Uhr den größten Teil der Adenauerbrücke für den Kraftfahrzeugverkehr. Die Maßnahme ist aus Sicherheitsgründen alternativlos und wird bis zu einem Neubau der Brücke – also voraussichtlich über mehrere Jahre – bestehen bleiben. Zum jetzigen Zeitpunkt besteht nach Einschätzung der Gutachter keine akute Einsturzgefahr. Fuß- und Radverkehr dürfen die Brücke weiterhin uneingeschränkt nutzen.

Die Adenauerbrücke ist seit mehr als 50 Jahren eine der zentralen Verkehrsadern Esslingens. Das rund einen Kilometer lange Bauwerk überquert die B10, den Neckar und die Bahngleise. Täglich nutzen rund 30.000 Fahrzeuge die Brücke. Sie verbindet die Stadtmitte mit Oberesslingen, Berkheim und Sirnau und ist damit eine der wichtigsten Nord-Süd-Verbindungen im Stadtgebiet.

Welcher Teil der Brücke ist betroffen – und welcher nicht?

Die Adenauerbrücke besteht aus mehreren, baulich getrennten Abschnitten. Der rot markierte nördliche Bereich (zwischen Kurt-Schumacher-Straße und Ulmer Straße) enthält den spannungsrisskorrosionsgefährdeten Stahl und muss gesperrt werden. Der südliche bzw. stadtauswärtige Teil (Richtung B10/Berkheim/Sirnau) wurde mit anderem Spannstahl errichtet und ist von diesen spezifischen Schäden nicht betroffen. Deshalb bleibt dieser Abschnitt für den Fahrzeugverkehr weiterhin nutzbar.

Die von der Stadt veröffentlichte Übersichtsskizze zeigt die neue Verkehrsführung ab Freitag, 13 Uhr, sehr anschaulich:

  • Rote Linien: Vollständig gesperrter Abschnitt. Hier dürfen nur noch Radfahrer und Fußgänger fahren. Der Bereich verläuft über die Bahngleise und Richtung Ulmer Straße / Oberesslingen. An den Enden der roten Strecke sind Absperrungen (rote Kreise mit Balken) markiert.
  • Lila/violetter Hinweis: In Fahrtrichtung stadteinwärts (nach der B10-Auffahrt) ist der Abschnitt zwischen B10 und Zufahrt zur Neckarinsel nur noch für Busverkehr und Einsatzfahrzeuge freigegeben. PKW und LKW sind hier ausgeschlossen. Ziel: Die Kurt-Schumacher-Straße und die Hauptfeuerwache sollen nicht durch zusätzlichen Verkehr überlastet werden.
  • Grüne Linien: Alternative Zufahrten für Stadtmitte, Oberesslingen, Landratsamt, Neckarinsel und Klinikum. Diese führen über die B10 und die Vogelsangbrücke.
  • Blaue Linien: Alternative Route für Oberesslingen und Sirnau über die K1215 und die Dieter-Roser-Brücke.

Stadtauswärts (Richtung B10/Berkheim/Sirnau): Der Verkehr von der Kurt-Schumacher-Straße kann die Brücke weiterhin befahren. Die Neckarinsel bleibt aus dieser Richtung erreichbar.

Stadteinwärts (aus Richtung Berkheim): Bis zur Auffahrt auf die B10 Richtung Stuttgart ist das Befahren möglich. Von der Neckarinsel aus kann man sowohl Richtung B10/Berkheim/Sirnau als auch Richtung Kurt-Schumacher-Straße ausfahren. Der direkte Weg über den kritischen Abschnitt ist für den allgemeinen Kfz-Verkehr gesperrt.

Der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) bleibt weitgehend unberührt; derzeit sind keine Linienänderungen notwendig. Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienste und ÖPNV-Unternehmen sind eng eingebunden.
Allerdings: das Krankenhaus Esslingen kann von Osten/Süden/Westen kommend nur über die Vogelsangbrücke erreicht werden! 😱

Foto: Stadt Esslingen

Die technischen Ursachen der Sperrung – Spannungsrisskorrosion und Baufehler

Die Entscheidung zur Sperrung beruht auf den Ergebnissen vertiefter Untersuchungen, die im Mai und Juni 2026 im nördlichen Bereich der Brücke durchgeführt wurden. Beteiligt waren das renommierte Ingenieurbüro Leonhardt, Andrä und Partner (LAP) sowie die Materialprüfungsanstalt der Universität Stuttgart.

Was sind Spannglieder? Im Inneren der Brücke verlaufen sogenannte Spannglieder über die gesamte Länge. Diese bestehen aus hochfesten Stahlseilen bzw. Stahlstäben (jeweils etwa 1–2 cm dick, rund 40 Stück pro Spannglied). Insgesamt gibt es im betroffenen Bauwerksteil 36 solcher Spannglieder. Sie wurden beim Bau Anfang der 1970er-Jahre unter hoher Vorspannung eingebaut und sorgen für die Stabilität und Tragfähigkeit der Brücke. Die Spannglieder liegen in Hüllrohren und sind mit einem speziellen Mörtel (Verpressung) umgeben, der sie vor Korrosion schützen soll.

Das Problem: Spannungsrisskorrosion Der damals standardmäßig verwendete Spannstahl ist besonders anfällig für die sogenannte Spannungsrisskorrosion. Dieser Stahl wurde in den 1960er- und 1970er-Jahren entwickelt, um höhere Festigkeiten zu erreichen. Der Nachteil: Er reißt bereits bei kleinen Anrissen schlagartig, während normaler Stahl erst nach längerer Dehnung versagt. Genau diese Risse und Korrosionsschäden wurden bei den aktuellen Untersuchungen an mehreren Stellen festgestellt – teilweise auch dort, wo noch Mörtel vorhanden war.

Zusätzliche Baufehler Neben dem risikobehafteten Stahl kamen weitere Probleme zum Vorschein:

  • An mehreren Stellen wurden Stahlmanschetten um die Spannglieder gelegt. Diese quetschten die Stahldrähte zusammen und verhinderten, dass der schützende Mörtel sich richtig verteilen konnte.
  • Die Hüllrohre wurden teilweise nicht vollständig verpresst. Dadurch konnte Chlorid (z. B. von Tausalzen) eindringen und die Korrosion beschleunigen.

Die Gutachter gehen davon aus, dass diese Schäden nicht nur lokal, sondern global im gesamten nördlichen Abschnitt der Adenauerbrücke zwischen Kurt-Schumacher-Straße und Ulmer Straße auftreten. Die beschädigten Spannglieder können nicht ausgetauscht werden. Deshalb wird ein Rückbau des betroffenen Teils empfohlen.

Was passiert als Nächstes?

Die Stadtverwaltung treibt die Planungen für einen Neubau mit Hochdruck voran. Im Oktober 2026 sollen dem Gemeinderat (bzw. dem zuständigen Ausschuss ABMK) verschiedene Varianten und erste Kostenschätzungen vorgestellt werden – unter anderem in gleicher Lage, in Seitenlage oder andere Lösungen. Bis eine neue Brücke steht, werden die Einschränkungen die Esslingerinnen und Esslinger über Jahre begleiten.

Gleichzeitig wird das Bauwerk weiter beobachtet und untersucht. Die Stadt hat in den vergangenen Jahren bereits zahlreiche andere Brücken im Stadtgebiet saniert. Dadurch stehen funktionierende Alternativrouten zur Verfügung, sodass Esslingen nicht in einen Nord-Süd-geteilten Zustand gerät.

Die Sperrung ist ein massiver Einschnitt für den Verkehr in Esslingen, aber aus Sicherheitsgründen unumgänglich. Die technischen Ursachen – spannungsrisskorrosionsgefährdeter Stahl, Baufehler bei der Verpressung und den Manschetten – sind typisch für viele Brücken aus den 1970er-Jahren (ähnliche Probleme führten u. a. zur Sperrung der Kurt-Schumacher-Brücke in Ludwigshafen und waren mitursächlich für den Einsturz der Carolabrücke in Dresden 2024).

Die krassesten Auswirkungen:

  • Das Krankenhaus Esslingen ist nur noch über die Esslinger Zentrum oder Esslingen Zell erreichbar!
  • Ganz Aichwald kann jetzt nur noch über die Vogelsangbrücke – oder über Plochingen – auf die B10!
  • Wer ins Landratsamt Esslingen möchte, muss über die Vogelsangbrücke (oder über Esslingen Zell)!
  • Viele Alternativ-Strecken wurden auf Tempo 30 begrenzt, das wird den Verkehr massiv einschränken – das gibt Mega-Staus – mit Ansage!

Pressemitteilung der Stadt Esslingen: Großteil der Adenauerbrücke gesperrt

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