Theodor-Haecker-Preis 2026 geht an Philip Obaji Jr.

Von Stephan Köthe

Freitag, 24. April 2026, um 19 Uhr: Neckar Forum Esslingen (Ebershaldenstraße 12 / Hauffstraße)

Der Theodor-Haecker-Preis der Stadt Esslingen am Neckar – Internationaler Menschenrechtspreis für politischen Mut wurde am 24.04.2026 an den Journalisten Philip Obaji Jr. verliehen.
Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert.

Philip Obaji Jr. hat sich vor allem durch hochgefährlichen investigativen Journalismus zu Menschenrechtsverletzungen in West- und Zentralafrika einen Namen gemacht. Als Nigeria-basierter Korrespondent für The Daily Beast (seit 2015) und in Kooperation mit Medien wie Al Jazeera, The Guardian oder USA Today konzentriert er sich auf Themen, die sonst oft im Verborgenen bleiben: Terrorgruppen, Menschenhandel und vor allem die Gräueltaten russischer Söldner.

Frühe wichtige Beiträge (ab 2015)
  • Boko Haram und Kindersoldaten in Nigeria: 2015 reiste Philip Obaji Jr. nach Maiduguri (Geburtsort der Terrorgruppe) und dokumentierte, warum Kinder nicht zur Schule gehen und wie Boko Haram sie für den Dschihad rekrutiert. Er berichtete über entführte Schulkinder (z. B. die Familien der Damasak-Entführten) und gab Opfern eine Stimme. Das war sein Einstieg bei The Daily Beast und legte den Grundstein für seine Arbeit zu Jihadismus und Konflikten in der Region. Im Zeitraum 2016-2025 sind 150.000 Menschen in Afrika von Islamisten getötet worden, insbesondere durch die Ausbreitung des Islams in der Sahel-Region, dem Lake-Chad-Becken und in der Region Horn von Afrika (Somalia, Kenia und Umgebung). Viele der ermordeten sind Christen. Beispiel: Massaker an Christen in Nigeria, die Mörder kamen zum Pfingstgottesdienst in die Kirche. Neben den kriegerischen Handlungen ist das vorherrschende Mittel, durch das sich der Islam in Afrika aktuell ausbreitet, das demografisches Wachstum – also höhere Geburtenraten und eine jüngere Bevölkerungsstruktur in muslimischen Gemeinschaften. Beispiele:
    – Somalia (ca. 99 % muslimisch): ca. 5,9 Kinder pro Frau
    – Niger (ca. 99 % muslimisch): ca. 5,8–5,9 Kinder pro Frau
    – Mali (ca. 95 % muslimisch): ca. 5,4 Kinder pro Frau
    Zum Vergleich: Deutschland: 1,35 Kinder pro Frau (Quelle)
  • Menschenhandel und sexuelle Ausbeutung: Philip Obaji Jr. deckte „Baby Factories“ in Nigeria auf und berichtete über den Handel mit Vertriebenen und Flüchtlingen. Eine bekannte frühe Arbeit: „Want to thwart human traffickers? Just add water“ (2018).
Sein Hauptwerk: Die Wagner-Gruppe (seit 2018)

Der eigentliche Durchbruch und der Grund für zahlreiche Preise ist seine jahrelange, extrem riskante Berichterstattung über die russische Söldnergruppe Wagner (heute Africa Corps) in der Zentralafrikanischen Republik (CAR) und Mali. Er hat über 100 Fälle von Massakern, Vergewaltigungen, Folter, Hinrichtungen, Angriffen auf Flüchtlingslager und Minendörfer dokumentiert. Die Söldner kämpfen gegen Rebellen, plündern dafür Gold- und Diamantenminen und finanzieren damit teilweise Russlands Krieg in der Ukraine.

Warum diese Beiträge so bedeutend sind

Obaji interviewt vor allem überlebende Frauen und Kinder in Flüchtlingslagern und Minendörfern – oft unter Lebensgefahr (Entführungen, Schläge, Drohungen, Desinformationskampagnen gegen ihn). Er macht die Opfer hörbar und zeigt, wie ausländische Mächte (hier Russland) Ressourcen plündern und Gewalt ungestraft bleibt. Seine Arbeit hat internationale Aufmerksamkeit erregt, US- und EU-Politiker sensibilisiert und ihm Preise wie den One World Media International Journalist of the Year (2023), den Jaime Brunet International Prize (2022), den Homo Homini Human Rights Award (2024/25) und den ICFJ Knight Award (2025) eingebracht.


Der Theodor-Haecker-Preis (auch als „Theodor Häcker Preis“ geschrieben) ist der internationale Menschenrechtspreis für politischen Mut der Stadt Esslingen am Neckar. Er wird seit 1995 vergeben und ehrt Persönlichkeiten oder Gruppen, die sich durch außergewöhnlichen politischen Mut, Aufrichtigkeit und Einsatz für Menschenrechte, Demokratie, Freiheit und Frieden auszeichnen.

Der Preis ist nach dem deutschen Philosophen, Kulturkritiker und Schriftsteller Theodor Haecker (1879–1945) benannt. Haecker lebte einen großen Teil seines Lebens in Esslingen, konvertierte zum Katholizismus, übersetzte u. a. Kierkegaard und war ein scharfer Gegner des Nationalsozialismus. Er erhielt Redeverbot (1935) und Druckverbot (1938). Seine „Tag- und Nachtbücher“ dienten der Widerstandsgruppe „Weiße Rose“ als Inspirationsquelle – Auszüge daraus wurden in ihren Flugblättern verwendet. Haecker gilt als Symbol für Zivilcourage und geistigen Widerstand.

Bisherige Preisträger:

  • 1995: Sergei Kowaljow (russischer Dissident)
  • 1997: Jehan Sadat (Ägypten)
  • 1999: Salima Ghezali (Algerien)
  • 2001: Vesna Pesić (Serbien)
  • 2011: Shiva Nazar Ahari (Iran)
  • 2013: Leyla Yunus (Aserbaidschan)
  • 2017: Urmila Chaudhary (Nepal)
  • 2020: Rugiatu Neneh Turay (Sierra Leone)
  • 2022: Maryja Kalesnikawa (Belarus, außerordentlich)
  • 2023: Seyran Ateş (Deutschland/Türkei, Frauen- und Menschenrechtlerin

Die Urkunde der Stadt Esslingen. Das Mitwirken von Philip Obaji Jr. an der Aufdeckung der Gräuel der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram und der Kindersoldaten in Nigeria bleibt unerwähnt.

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