Der Esslinger Sanierungsstau – und was er kostet
Von Stephan Köthe
Seit 07.08.2026 ist die Adenauerbrücke gesperrt. Der Neubau wird voraussichtlich 5-10 Jahre dauern und mehr als 100 Mio. € kosten. Spätestens seit 2022 war bekannt, dass die Brücke stark sanierungsbedürftig ist. Die Schelztorhalle ist seit 2023 geschlossen – die Generalsanierung kostet rund 15 Mio. €. Der Alicensteg ist seit 2015 gesperrt. Der gesamte Sanierungs- und Investitionsstau der Stadt Esslingen liegt bei mehr als 300 Mio. €.
Immerhin: Für 7 Mio. € werden derzeit 182 Schultoiletten modernisiert. Dass es dafür eines Antrags der Freien Wähler und der Linken bedurfte, ist bezeichnend. Wenn selbst grundlegende Hygienestandards an Schulen nur auf politischen Druck hin angegangen werden, zeigt das ein systemisches Problem in der Haushalts- und Infrastrukturpolitik.
Kommunen sind gesetzlich zur Erhaltung ihres Vermögens verpflichtet. Jede Generation soll den Wertverzehr der Infrastruktur, den sie nutzt, selbst erwirtschaften. Konkret heißt das, dass Abschreibungen auf Gebäude, Brücken und Straßen im Ergebnishaushalt als Aufwand erscheinen und durch laufende Erträge gedeckt werden müssen. In Esslingen wurden jahrzehntelang zu wenig Mittel für die planmäßige Erneuerung bereitgestellt.
Der am 27.07.2026 beschlossene Nachtragshaushalt plant mit einer unrealistisch hohen Gewerbesteuer und mit 0 € für die Adenauerbrücke, die Schelztorhalle und den Alicensteg. Auf der Ausgabenseite leistet man sich weiterhin zu hohe Verwaltungskosten, den Luxus eines 4. Bürgermeisters und das Stadtticket. Der Niedergang der Esslinger Infrastruktur ist die Folge einer über Jahre hinweg unzureichenden Vorsorge, einer zu optimistischen Einnahmeplanung und einer zu zögerlichen Ausgabenkritik.

