Appell zum Verzicht auf Teilnahme an der Podiumsdiskussion am 29.01.2026 in Esslingen
Von Stephan Köthe
Sehr geehrte Frau Landtagsabgeordnete Lindlohr,
sehr geehrter Herr Landtagsabgeordneter Deuschle,
sehr geehrter Herr Landtagsabgeordneter Fink,
sehr geehrter Herr Landtagskandidat Wirth,
sehr geehrter Herr Moderator Berg,
im Vorfeld der geplanten Podiumsdiskussion zur Landtagswahl am 29. Januar 2026 in Esslingen möchte ich Sie mit diesem Schreiben höflich aber nachdrücklich darum bitten, Ihre Teilnahme zu überdenken und von einer Teilnahme abzusehen.
Haus & Grund Esslingen e.V. hat mir gegenüber schriftlich bestätigt, dass meine Teilnahme an der Podiumsdiskussion nicht gewünscht ist. Damit werde ich, als Vertreter der beliebtesten Partei Deutschlands und gleichzeitig einzigen Oppositionspartei von Relevanz, vom Podiumsgespräch ausgeschlossen.
Unser Grundgesetz lässt keinen Zweifel daran, dass das Vorgehen von Haus & Grund Esslingen e.V. gegen elementare Grundsätze verstößt:
„Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus.“ (Art. 20 GG)
Damit demokratische Willensbildung frei stattfinden kann, muss der Wettbewerb der politischen Kräfte offen und gleich sein – dazu gehört ein fairer Wahlkampf.
„Die Parteien wirken bei der politischen Willensbildung des Volkes mit.“ (Art. 21 GG)
Daraus leitet sich ab, dass Parteien gleiche Chancen im politischen Wettbewerb haben müssen.
Die Meinungsfreiheit (§ Art. 5 GG, i.V.m. Art. 20 GG) schützt nicht nur die freie Äußerung politischer Positionen, sondern auch das Recht der Bürgerinnen und Bürger, sich eine umfassende, möglichst ungehinderte Meinung zu bilden. Einseitige Ausgrenzung politisch relevanter Positionen kann die Meinungsbildung der Wählerinnen und Wähler erheblich beeinträchtigen.
Vor diesem Hintergrund bitte ich Sie als Landtagskandidatin/Landtagskandidat sowie Sie als verantwortlichen Moderator, von einer Teilnahme an der geplanten Podiumsdiskussion abzusehen, sofern der Zugang für alle zur Landtagswahl zugelassenen relevanten politischen Kräfte nicht gewährleistet ist.
Ich bin überzeugt, dass eine faire, vollständige, unparteiische und offene politische Debatte im Vorfeld einer Landtagswahl einen zentralen Bestandteil einer funktionierenden Demokratie darstellt. Eine Diskussion, von der die größte Oppositionspartei ausgeschlossen ist, kann diesem Anspruch nicht gerecht werden.
Ein Verzicht auf eine einseitige Podiumsdiskussion wäre nicht nur ein Zeichen demokratischer Verantwortung, sondern entspricht dem Geist des politischen Wettbewerbs, wie er im Grundgesetz verankert ist. Ich bitte Sie daher, diese Überlegungen ernsthaft in Ihre Entscheidung einzubeziehen.
Mit den besten Grüßen,
Stephan Köthe
Direktkandidat der Alternative für Deutschland für den Wahlkreis 07 Esslingen
Anmerkung: Das ist der Anlass: Haus & Grund Esslingen e.V. lädt AfD nicht zur Podiumsdiskussion ein
Die Esslinger Zeitung wurde informiert, hat aber im Vorfeld nicht berichtet.
Reaktion(en): keine

Von links nach rechts: Hermann Falch (1. Vorsitzender Haus und Grund Esslingen e.V.), Dennis Birnstock (FDP) in Vertretung für Tobias Wirth (FDP), Dr. Natalie Pfau-Weller in Vertretung für Andreas Deuschle (CDU), Andrea Lindlohr (Grüne), Nicolas Fink (SPD) und Matthias Berg (Moderator).
Ich muss eingestehen, dass mich dieser Vorgang ins Herz getroffen hat. Ich hätte nicht gedacht, dass Haus- und Grund e.V., dass meine Mitbewerber, dass der Moderator, dass die Esslinger Zeitung und die Esslinger Zivilgesellschaft so handeln. Ich bin aufgewachsen im Vertrauen darauf, dass unser Grundgesetz verbindlich gelebt wird – zumindest von den Repräsentanten unserer Demokratie und den tragenden Institutionen. Am eigenen Leib zu erfahren, dass es nicht so ist und dass es niemand kümmert, das ist hart.
Henryk M. Broder: „Wenn ihr euch fragt, wie das damals passieren konnte: weil sie damals so waren, wie ihr heute seid.“
In Matthäus 24, 12 heißt es:
„Und weil die Missachtung des Gesetzes überhandnehmen wird, wird die Liebe in vielen erkalten.“
Wer mit Ungerechtigkeit und Heuchelei konfrontiert ist, bleibt davon nicht unberührt. Die Gefahr besteht darin, bitter oder zynisch zu werden, sich innerlich zurückzuziehen oder Unrecht mit Unrecht zu vergelten – und am Ende selbst so zu handeln wie jene, die man kritisiert.
Es heißt aber: Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem. Das geht nur, wenn man den kennt und zu dem geht, der gesagt hat: „Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.“

Die Positionen der Alternative für Deutschland zu allen relevanten Haus- und Grund-Themen findest Du am Ende dieses Artikels.
