Zur Berichterstattung der Esslinger Zeitung: Veranstalter äußern sich: Soll die AfD aufs Podium – ja oder nein?
Von Stephan Köthe
Was bisher geschah:
Am 26.01.2026 habe ich diesen Artikel veröffentlicht: Haus & Grund Esslingen e.V. lädt AfD nicht zur Podiumsdiskussion ein.
Am 28.01.2026 habe ich einen öffentlichen Appell zum Verzicht auf Teilnahme an der Podiumsdiskussion am 29.01.2026 in Esslingen geschrieben.
Am 01.02.2026 14:00 Uhr hat Simone Weiß folgenden Artikel veröffentlicht: Veranstalter äußern sich: Soll die AfD aufs Podium – ja oder nein?
Dazu folgenden Anmerkungen:
Gut ist, dass die Esslinger Zeitung – wenn auch nur nachträglich – über den Vorgang berichtet.
Gut ist, dass die Esslinger Zeitung meine Position korrekt darstellt:
- Direktkandidat Stephan Köthe empört sich darüber.
- Der Esslinger AfD-Direktkandidat spricht von Verstößen gegen Neutralitätspflicht, Meinungsvielfalt, Gleichheitsgrundsätze.
- Ausschlüsse oder Nichteinladungen seiner Partei und seiner Person bei Veranstaltungen seien politisch einseitig, demokratisch fragwürdig und gegenüber Bürgern nicht zu rechtfertigen.
- „Wer im Vorfeld einer Landtagswahl relevante politische Kräfte systematisch ausschließt, ersetzt offene Debatten durch Gesinnungsauswahl.“
Gut ist, das die Esslinger Zeitung, die Position von Haus und Grund korrekt darstellt:
- Eine Einladung sei nicht erfolgt, weil die in Baden-Württemberg vom Verfassungsschutz als rechtsextremer Verdachtsfall eingestufte AfD gegen die Leitsätze des Verbandes verstoße.
Schlecht ist, dass die Esslinger Zeitung nicht nachfrägt! Folgende Fragen sollten gestellt werden:
- Die Leitsätze des Verbandes sprechen von „3. Demokratischer Kultur und Gesprächsbereitschaft“ und „4. Gesellschaftlicher Zusammenhalt statt Spaltung“. Verstößt der Landesverband von Haus und Grund mit dem Ausschluss der AfD nicht gegen seine eigenen Leitsätze?
- Ist dem Landesverband bekannt, dass der Verfassungsschutz weisungsgebunden ist? Sollte das nicht zu denken geben, wenn die Regierung die größte Opposition seit Jahren überwacht, aber keinerlei Ergebnisse liefert?
- Was ist das für ein Demokratieverständnis, wenn man die einzig relevante Opposition nicht einlädt?
- Gegen welche Leitsätze des Verbandes hat der Kandidat wann/wo verstoßen?
- Warum werden Parteien eingeladen, die in der Vergangenheit klar gegen die Interessen von Haus- und Grundbesitzer abgestimmt haben, aber die Partei, die sich wie keine andere für das Eigentum einsetzt, wird ausgeschlossen?
- 5 von 13 Funktionären des Landesverbands von Haus und Grund e.V. – darunter alle Führenden – sind mit der CDU oder FDP verbunden.
Sollte der Landesverband nicht die Interessen der Haus- und Grundbesitzer vertreten, statt Parteipolitik zu betreiben? (Namentliche Auflistung der Haus und Grund Funktionäre und deren Parteizuhörigkeit)
Nichts dergleichen wurde gefragt! Schade! Die Antworten hätten die Leser sicher interessiert.
Nach einem kurzen Exkurs zur Landespolitik – unklar, warum das an dieser Stelle relevant ist – geht Simone Weiß zum zweiten Thema über: mein Ausschluss von der Podiumsdiskussion, die von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und dem Gesamtelternbeirat Esslingen (GEB) veranstaltet wird:
Gut ist, dass die Esslinger Zeitung meine Position korrekt darstellt:
- Das Abhalten einer zusammen mit dem Gesamtelternbeirat organisierten Veranstaltung in Esslingen ohne AfD-Beteiligung wird von Stephan Köthe bemängelt.
- Wenn die beiden Veranstalter „es wagen, so offensichtlich und so eklatant gegen die Grundprinzipien unserer Demokratie zu verstoßen, dann haben wir ein echtes Problem.“
- Die Veranstalter sollten die Interessen ihrer Klientel vertreten und nicht „Politik für die Regierung machen“ oder „politische Bevormundung betreiben“: „Lehrer und Eltern sind mündige Bürger, die sich selbst eine Meinung bilden.“
Schlecht ist, das die Esslinger Zeitung, nicht den Gesamtelternbeirat zu Wort kommen lässt!
- Ich habe nicht nur die Gewerkschaft kritisiert, sondern auch den Gesamtelternbeirat. Im Artikel antwortet aber ausschließlich die Gewerkschaft! Zufall? Sicher nicht! Der Gesamtelternbeirat äußert sich nicht, da er institutionalisierte Körperschaft gemäß § 58 Schulgesetz (SchG) des Landes Baden-Württemberg ist. Er ist zur Neutralität verpflichtet. Warum hakt Simone Weiß nicht nach?
- Am 30.01.2026 ist folgendes Urteil ergangen: Verwaltungsgericht Karlsruhe verpflichtet Volkshochschule Calw Miguel Klauß als Teilnehmer der Podiumsdiskussion zur Landtagswahl zuzulassen. Was sagt der Gesamtelternbeirat zu diesem Urteil?
- Wie kann es sein, dass die Vorsitzende des Gesamtelternbeirat, Frau Catrin Spickermann, gemeinsam mit mir über 1 Jahr lang im Ausschuss für Bildung, Erziehung und Betreuung sitzt und es eine gute Zusammenarbeit gibt? Wie soll die Zusammenarbeit in Zukunft aussehen?
Der Artikel schließt mit einem Zitat von Mira Hartwig, Kreisvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Esslingen-Nürtingen: Die AfD könne nicht als „normale demokratische Partei“ angesehen werden. Als ein Beleg dafür wird AfD-Landeschef Emil Sänze zitiert, der Medienberichten zufolge bei einer Veranstaltung seiner Partei in Karlsruhe über CSU-Chef Markus Söder geäußert hatte: „Ich meine, Söder ist ja nicht nur körperlich behindert, auch manchmal geistig. Aber wir lassen ihn leben – er ist ja immer mal wieder witzig.“
Meine Anmerkung dazu: der bayrischen Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sagte über die Alternative für Deutschland im November 2025: „Diese Truppe, das sind Bücklinge, das sind die Hofnarren Putins, das sind Kremlknechte.“
Quelle: https://www.welt.de/politik/deutschland/article6919b90501d4323346e4f6bb/soeder-und-die-afd-buecklinge-hofnarren-putins-und-kremlknechte-csu-chef-teilt-hart-aus.html
Wäre es nicht fair und ausgewogen gewesen, auch Söder zu zitieren? Wenn ein amtierender Ministerpräsident so über die Opposition spricht, dann muss er sich auch eine Retourkutsche gefallen lassen. Warum wird die CDU nicht auch von Podiumsdiskussionen ausgeschlossen, wenn ihre Schwesterpartei in Bayern so redet? Oder wenn Bundeskanzler Merz (CDU) nachweislich die Bürgerinnen und Bürger anlügt? Hier wird ganz offensichtlich mit unterschiedlichen Maßstäben gemessen. Emil Sänzes Zitat in diesem Zusammenhang ist eine fadenscheinige Rechtfertigung, um mich von der Mitwirkung auszuschließen.
Zusammenfassend: Gut ist, dass die Sachverhalte weitgehend korrekt dargestellt wurden. Schlecht ist, dass der Artikel keinerlei investigativen, kritischen Journalismus bietet. Schlecht ist auch, dass Landesthemen und Zitate anderer in den Artikel mit hineingewoben wurden, die mit dem eigentlichen Sachverhalt nichts zu tun haben. Aber das war wohl nötig, weil man bei mir nichts gefunden hat – außer den Irrtum, dass ich der Annahme war, dass Beck (Senior) bereits gestorben ist, was erfreulicherweise nicht der Fall ist und wofür ich mich entschuldige. Umso besser ist, dass Herr Beck (Senior) meine Aussagen bestätigen kann, wenn er denn möchte und sich daran erinnert/erinnern will.
Den wahren Zustand einer Demokratie erkennt man daran, wie mit der Opposition umgegangen wird.
So berichtet die Esslinger Zeitung am 02.02.2026 in der Printausgabe:

Gut: Der Beitrag steht auf der Titelseite. Gut ist auch, dass er von „Veranstaltungen“ (Mehrzahl spricht), hier ist eine Auflistung aller Veranstaltungen, zu denen ich nicht eingeladen wurde.
Nicht so gut: Fühle ich das nur oder passiert es tatsächlich? Wäre „AfD wird ausgegrenzt“ oder „Stephan Köthe (AfD) wird ausgegrenzt“ nicht präziser gewesen?
